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 Leseprobe

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BeitragThema: Leseprobe   Mo Dez 05, 2011 8:34 am

Die Frau wirkte in ihrer makellosen weißen Bluse und der
maßgeschneiderten cremefarbenen Hose völlig fehl am
Platz. Langes mokkabraunes Haar fiel ihr in dicken Wellen
über die Schultern. Trotz der feuchten Dunstglocke, die
über dem Wald hing, hatte sich keine einzige Strähne gelöst.
Sie trug elegante Schuhe mit hohen Absätzen, was sie aber
offenbar nicht davon abgehalten hatte, einen Waldpfad hinaufzuklettern,
der die anderen Wanderer um sie herum in
der schwülen Julihitze arg ins Schnaufen brachte.
Am Gipfel des Steilhangs wartete sie im Schatten einer
massigen, moosbewachsenen Felsformation und wirkte völlig
ungerührt, als ein halbes Dutzend Touristen an ihr vorbeiging.
Einige fotografierten den Ausblick, der sich ihnen bot.
Niemand bemerkte die Frau. Aber schließlich können die
wenigsten Menschen Tote sehen.
Auch Dylan Alexander wollte sie nicht sehen.
Sie hatte keine Tote mehr gesehen, seit sie zwölf war. Dass
sie jetzt hier eine sah, zwanzig Jahre später und mitten in
Tschechien, war reichlich beunruhigend. Sie versuchte die
Erscheinung zu ignorieren, aber als Dylan und ihre drei Reisegefährten
weiter den Pfad hinaufgingen, fanden die dunklen
Augen der Frau sie und ließen sie nicht mehr los.
Du siehst mich.
Dylan tat so, als hörte sie das Flüstern nicht, das über die
reglosen Lippen des Geistes kam und das sich wie ein undeutliches
Rauschen aus dem Radio anhörte. Sie wollte diese
Begegnung nicht. Sie hatte nun schon so lange ohne diese
unheimlichen Erscheinungen gelebt, dass sie schon fast vergessen
hatte, wie es sich anfühlte.
Dylan hatte ihre seltsame Fähigkeit, die Toten zu sehen, nie
verstanden. Sie hatte sich nie auf sie verlassen und ihr nie vertrauen
können. Sie konnte mitten auf einem Friedhof stehen
und gar nichts sehen, nur um sich dann plötzlich in Tuchfühlung
mit einem Verstorbenen zu finden, so wie jetzt gerade,
hier in den Bergen, etwa eine Autostunde von Prag entfernt.
Die Geister waren immer Frauen. Meistens jung und strahlend,
so wie die, die sie gerade anstarrte, mit unverkennbarer
Verzweiflung in ihren exotisch dunklen, tiefbraunen Augen.
Du musst mich hören können.
Sie sprach mit volltönendem spanischem Akzent, ihre
Stimme hatte einen flehenden Tonfall.
„Hey, Dylan. Komm her und stell dich da neben den Felsen,
ich mache ein Foto von dir.“
Der Klang einer realen Stimme aus der diesseitigen Welt
löste Dylans Aufmerksamkeit schlagartig von der wunderschönen
Toten, die ganz in der Nähe unter dem verwitterten
Sandsteinbogen stand. Janet, eine Freundin von Dylans
Mutter Sharon, kramte in ihrem Rucksack und förderte eine
Digitalkamera zutage. Die Sommerreise nach Europa war
ursprünglich Sharons Idee; es wäre ihr letztes großes Abenteuer
gewesen, aber der Krebs war im März zurückgekommen,
und nach der letzten Dosis Chemotherapie vor einigen
Wochen war sie zum Reisen zu schwach. In der letzten
Zeit war Sharon immer wieder mit Lungenentzündungen im
Krankenhaus gewesen, und sie hatte darauf bestanden, dass
Dylan für sie mitfahren sollte.
„Hab dich“, sagte Janet und machte ein Foto von Dylan
und den hoch aufragenden Felsklippen im waldigen Tal un-
ter ihnen. „Deiner Mutti würde es hier so gefallen, Liebes. Ist
es nicht atemberaubend?“
Dylan nickte. „Wir mailen ihr die Fotos gleich heute
Abend, wenn wir wieder im Hotel sind.“
Sie führte ihr Grüppchen fort von den Felsen, begierig,
die flüsternde jenseitige Präsenz hinter sich zu lassen. Sie
gingen einen abschüssigen Bergrücken hinunter in ein kleines
Kiefernwäldchen, die schlanken Bäume standen dort
dicht beieinander. Goldbraunes Laub und die Tannennadeln
vergangener Jahre knisterten unter ihren Schritten auf dem
feuchten Pfad. Am Morgen hatte es geregnet, und danach
war es drückend heiß geworden, was viele der Touristen, die
diese Gegend besuchten, heute fernhielt.
Der Wald war ruhig, friedlich … doch immer noch hatte
Dylan das Gefühl, auf Schritt und Tritt von Geisteraugen verfolgt
zu werden, während sie tiefer in das Gehölz hineinging.
„Ich bin ja so froh, dass dein Chef dir freigegeben hat und
du uns begleiten konntest“, meinte eine der Frauen, die ihr
auf dem Waldweg folgten. „Ich weiß, wie viel Arbeit du bei
der Zeitung hast, wenn du dir all diese Geschichten ausdenken
musst …“
„Die denkt sie sich nicht aus, Marie“, sagte Janet mit sanftem
Tadel. „Es muss doch etwas Wahres dran sein an Dylans
Artikeln, sonst könnten sie sie doch nicht drucken. Oder
nicht, Liebes?“
Dylan ließ ein verächtliches kleines Schnauben hören.
„Nun, da wir ständig mindestens eine Entführung durch
Außerirdische oder Augenzeugenberichte von Dämonenbesessenheit
auf der Titelseite haben, heißt das wohl, dass wir
uns nicht von Fakten stören lassen, wenn wir eine gute Story
bringen wollen. Wir veröffentlichen Unterhaltung, keinen
seriösen Faktenjournalismus."
„Deine Mutti sagt, dass du eines Tages eine berühmte Reporterin
wirst“, sagte Marie. „Eine zweite Woodward oder
Bernstein, das ist es, was sie immer sagt. So hießen doch die
beiden, die die Watergate-Affäre aufgedeckt haben?“
„Genau das sagt sie“, pflichtete Janet bei. „Weißt du, sie
hat mir mal einen von deinen ersten Artikeln gezeigt, als
du nach dem College deine erste Stelle bei einer Zeitung
hattest. Du hast über einen üblen Mordfall auf dem Land
recherchiert. Das weißt du doch noch, Liebes?“
„Klar“, sagte Dylan und führte die Gruppe auf eine weitere
Ansammlung massiver Sandsteintürme zu, die sich steil
über die Baumwipfel erhoben. „Sicher weiß ich das noch.
Aber das ist lange her.“
„Nun, was auch immer du tust, ich weiß, dass deine Mutter
sehr stolz auf dich ist“, sagte Marie. „Du hast eine Menge
Freude in ihr Leben gebracht.“
Dylan nickte und bemühte sich, ihre Stimme wiederzufinden.
„Danke dir.“
Janet und Marie arbeiteten beide mit ihrer Mutter in einem
Zentrum für Straßenkinder in Brooklyn. Nancy, das
vierte Mitglied ihrer kleinen Reisegruppe, war Sharons beste
Freundin seit der Highschool. Alle drei Frauen waren in den
letzten Monaten zu Dylans Ersatzfamilie geworden. Drei
weitere Menschen, die sie tröstend in die Arme nahmen, und
die würde sie wirklich brauchen, wenn sie ihre Mutter verlor.
In ihrem Herzen wusste Dylan, dass es nur noch eine Frage
der Zeit war.
So lange waren sie zu zweit gewesen. Ihr Vater hatte sich
davongemacht, als Dylan noch klein war. Aber auch als er
noch bei ihnen war, hatte er keinen besonders guten Vater
abgegeben. Auch ihre beiden älteren Brüder waren inzwi-
schen fort, der eine war Opfer eines Verkehrsunfalls geworden,
und der andere hatte alle Verbindungen zu seiner Familie
abgebrochen, als er vor Jahren zur Armee ging. Dylan und
ihre Mutter waren übrig geblieben, um sich um die Scherben
ihres alten Lebens zu kümmern, und genau das hatten
sie getan. Immer hatte die eine die andere getröstet, wenn sie
verzweifelt war, und selbst die kleinsten Triumphe hatten sie
miteinander gefeiert.
Dylan konnte den Gedanken nicht ertragen, wie leer ihr
Leben ohne ihre Mutter sein würde.
Nancy holte sie ein und lächelte ihr liebevoll, aber auch
etwas traurig zu. „Es bedeutet Sharon so viel, dass du diese
Reise für sie machst. Du lebst und machst diese Erfahrungen
für sie mit, weißt du?“
„Ich weiß. Das hätte ich mir auch nie nehmen lassen.“
Dylan hatte ihren Reisegefährtinnen – und auch ihrer Mutter
– nicht gesagt, dass es sie höchstwahrscheinlich ihren Job
kosten würde, sich so kurzfristig einfach zwei Wochen freizunehmen.
Aber einem Teil von ihr war das egal. Sie hasste
es sowieso, für dieses billige Skandalblatt zu arbeiten. Sie
hatte versucht, ihren Chef damit zu ködern, dass sie sicher
mit interessantem Material aus Europa zurückkommen würde
– vielleicht einer Geschichte über Rübezahl, den Geist
der böhmischen Wälder, oder einer Entdeckung Draculas
außerhalb seiner rumänischen Heimat.
Aber es war nicht einfach, einem Typen Unsinn anzudrehen,
der seinen Lebensunterhalt damit verdiente, ihn anderen
anzudrehen. Ihr Chef hatte sich klipp und klar ausgedrückt.
Wenn Dylan diese Reise machte, sollte sie entweder mit einem
echten Knüller zurückkommen oder aber sie brauchte
gar nicht wiederzukommen. „Gottchen, ist das vielleicht
heiß hier oben“, sagte Janet, zog sich ihre Baseballmütze von
den kurzen silbergrauen Locken und fuhr sich mit der Handfläche
über die Stirn. „Bin ich der einzige Schwächling hier
oder ist sonst noch wer dafür, sich etwas auszuruhen?“
„Eine Pause würde mir auch guttun“, meinte Nancy.
Sie nahm ihren Rucksack ab und legte ihn unter einer hohen
Kiefer auf den Boden. Auch Marie verließ den Weg, gesellte
sich zu ihnen und nahm einen tiefen Schluck aus ihrer
Feldflasche.
Dylan war überhaupt nicht müde. Sie wollte weitergehen.
Die eindrucksvollsten Kletterwände und Felsgebilde lagen
noch vor ihnen. Sie hatten für diesen Abschnitt ihrer Reise
nur einen Tag veranschlagt, und Dylan wollte so viel wie
möglich sehen.
Und dann war da noch diese wunderschöne Tote. Jetzt
stand sie direkt vor ihnen auf dem Pfad und starrte Dylan
an; immer wieder materialisierte sie sich zu einer sichtbaren
Gestalt, um dann wieder zu verblassen.
Sieh mich doch.
Dylan schaute weg. Janet, Marie und Nancy saßen auf der
Erde und knabberten Müsliriegel und Studentenfutter.
„Möchtest du?“, fragte Janet und hielt ihr einen wiederverschließbaren
Plastikbeutel mit Trockenfrüchten, Nüssen
und Kernen hin.
Dylan schüttelte den Kopf. „Ich bin zu kribbelig, um mich
jetzt auszuruhen oder was zu essen. Wenn es euch nichts
ausmacht, würde ich mich gerne ein wenig allein umsehen,
solange ihr hier rastet. Ich bin gleich wieder zurück.“
„Sicher, Liebes. Du hast schließlich jüngere Beine als wir.
Aber sei vorsichtig.“
„Na klar. Bin gleich zurück.“
Dylan machte einen Bogen um die Stelle, an der das Bild
der toten Frau flackerte. Sie verließ den Pfad und kletterte
den dicht bewaldeten Abhang hinauf. Ein paar Minuten ging
sie so und genoss die Stille. Die aufragenden Gipfel aus Sandstein
und Basalt hatten etwas Uraltes, geradezu Mysteriöses.
Dylan blieb stehen, um Fotos zu machen, und hoffte, etwas
von dieser Schönheit für ihre Mutter einfangen zu können.
Höre mich.
Zuerst sah Dylan die Frau nicht, sondern hörte nur den
verzerrten Tonfall ihrer geisterhaften Stimme. Aber dann bemerkte
sie ein weißes Aufblitzen. Die Frau stand weiter oben
am Abhang auf einem Felsgrat, auf halber Höhe einer der
steilen Felsklippen.
Folge mir.
„Keine gute Idee“, murmelte Dylan und beäugte die schwierige
Kletterstrecke. Sie war extrem steil, ein Durchkommen
ungewiss. Und obwohl der Blick von da oben einfach atemberaubend
sein musste, hatte sie nun wirklich nicht die Absicht,
ihrer neuen Geisterfreundin auf die Andere Seite zu
folgen.
Bitte … hilf ihm.
Ihm helfen?
„Wem helfen?“, fragte sie, obwohl sie wusste, dass der
Geist sie nicht hören konnte.
Das konnten sie nie. Kommunikation mit ihrer Spezies
war immer eine Einbahnstraße. Sie erschienen einem einfach,
wenn sie Lust dazu hatten, und sagten, was sie sagen
wollten – wenn sie denn überhaupt etwas sagten. Und dann,
wenn es zu schwer für sie wurde, ihre sichtbare Form aufrechtzuerhalten,
verblassten sie einfach und verschwanden.
Hilf ihm.
Die Frau in Weiß oben auf dem Berg begann, durchscheinend
zu werden. Dylan schirmte ihre Augen von dem dunstigen
Licht ab, das durch die Bäume fiel, und versuchte, sie im
Blick zu behalten. Mit einer unguten Vorahnung begann sie,
weiter aufwärtszustapfen, und hielt sich dabei an Fichtendickicht
und Buchengestrüpp fest, um über die schwierigsten
Stellen des Geländes zu kommen.
Als sie auf den Felsgrat hinaufkletterte, wo die Erscheinung
gestanden hatte, war die Frau fort. Vorsichtig ging
Dylan den Felsvorsprung entlang und bemerkte, dass er breiter
war, als es von unten den Anschein hatte. Der Sandstein
war dunkel und durch den ständigen Einfluss der Elemente
verwittert, so dunkel, dass ein tiefer vertikaler Spalt ihr erst
jetzt auffiel.
Und aus diesem schmalen, lichtlosen Spalt hörte Dylan
nun wieder dieses körperlose, geisterhafte Geflüster.
Rette ihn.
Sie sah umher, und alles, was sie sah, war nur Wildnis und
Felsen. Hier oben war niemand. Und keine Spur mehr von
der ätherischen Gestalt, die sie so weit den Berg hinaufgelockt
hatte, allein.
Dylan sah sich wieder um und warf einen Blick in die Düsternis
der Felsspalte. Sie steckte die Hand hinein und spürte,
wie kühle, feuchte Luft über ihre Haut strich.
In diesem tiefen schwarzen Spalt herrschte völlige Stille.
Grabesstille.
Wenn Dylan jemand gewesen wäre, der daran glaubte, dass
an den alten Legenden von gruseligen Ungeheuern durchaus
etwas dran sein konnte, hätte sie sich vielleicht vorstellen
können, dass an einem so abgeschiedenen Ort welche hausten.
Aber sie glaubte nicht an Ungeheuer und hatte es auch
nie. Abgesehen davon, dass sie ab und zu Tote sehen konnte,
die ihr nie etwas zuleide taten, war Dylan extrem pragmatisch
veranlagt – man konnte sie manchmal sogar zynisch
nennen. Die Reporterin in ihr war es, die jetzt neugierig ...
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BeitragThema: Re: Leseprobe   Mo Dez 05, 2011 8:35 am

Fortsetzung:

wurde, was wohl in dieser Felsspalte zu finden war. Wenn man
mal davon ausging, dass man dem Wort einer Toten glauben
konnte – wer brauchte ihrer Meinung nach Hilfe? Lag dort
drin etwa ein Verletzter? Konnte sich jemand verlaufen haben,
als er diese steile Felsklippe hinaufgeklettert war?
Aus einer der Außentaschen ihres Rucksacks nahm Dylan
eine kleine Taschenlampe. Sie hielt den Lichtstrahl in die
Öffnung, und da bemerkte sie außen und innen am Rand der
Spalte schwache Meißelspuren, als hätte jemand versucht,
sie zu verbreitern. Aber so verwittert, wie ihre Kanten aussahen,
musste es schon lange her sein.
„Hallo?“, rief sie in die Dunkelheit. „Ist da jemand?“
Nichts als Stille.
Dylan nahm ihren Rucksack ab und fasste ihn mit der einen
Hand, die andere schloss sie fest um den schmalen Griff
ihrer Taschenlampe. Sie passte gerade noch durch den Spalt,
aber jemand, der größer war als sie, musste sich wohl seitlich
hineinzwängen.
Das enge Stück dauerte nicht lange an, dann weitete sich
der Raum. Plötzlich stand sie mitten im massiven Felsgestein
des Berges, der Lichtstrahl ihrer Taschenlampe tanzte auf
glatten, gerundeten Wänden. Es war eine Höhle – und außer
ein paar Fledermäusen, die über ihrem Kopf aus dem Schlaf
aufgeschreckt das Weite suchten, war sie leer.
Aber so wie es aussah, war dieser Ort zum größten Teil von
Menschenhand geschaffen. Die Decke hob sich mindestens
sechs Meter über Dylans Kopf. An jeder Wand der kleinen
Höhle waren eigenartige Wandgemälde, die wie seltsame
Hieroglyphen wirkten, eine Mischung aus kruden Stammeszeichen
und ineinandergreifenden, anmutig geschwungenen
geometrischen Mustern.
Fasziniert von der Schönheit dieser seltsamen Kunstwer-
ke trat Dylan näher an eine der Wände heran. Sie ließ den
kleinen Lichtstrahl ihrer Taschenlampe nach rechts wandern
und sah staunend, dass die kunstvolle Wandbemalung sich
überall um sie herum fortsetzte. Sie ging einen Schritt weiter
in die Mitte der Höhle. Mit der Spitze ihres Wanderstiefels
trat sie gegen etwas, das auf dem Boden lag. Es klapperte
hohl, als es zur Seite rollte. Dylan ließ den Lichtstrahl über
den Boden gleiten und keuchte auf.
Ach du Scheiße.
Es war ein Schädel. Weißer Knochen schimmerte im Dunklen,
der menschliche Schädel starrte mit leeren, blicklosen
Augenhöhlen zu ihr auf.
Wenn die Tote ihn gemeint hatte, den Dylan retten sollte,
war sie etwa ein Jahrhundert zu spät dran.
Dylan ließ den Lichtstrahl weiter in die Dunkelheit wandern,
nicht sicher, wonach sie eigentlich suchte, aber zu
fasziniert, um wieder zu gehen. Noch nicht. Der Lichtstrahl
huschte über einen weiteren Knochenhaufen – Himmel, da
waren ja noch mehr menschliche Überreste auf dem Höhlenboden
verstreut.
Gänsehaut breitete sich auf Dylans Armen aus, ein Luftzug
strich durch die Höhle, Gott weiß, woher der so plötzlich
kam.
Und da sah sie es.
Am anderen Ende der Dunkelheit stand ein großer, rechteckiger
Steinblock. Er war überzogen von eingemeißelten
Ornamenten, genau den gleichen, mit denen die Wände bedeckt
waren.
Dylan musste nicht näher herangehen, um zu erkennen,
dass sie in einer Gruft stand. Über dem Sarkophag lag eine
dicke Steinplatte. Sie lag leicht schräg, als hätten unglaublich
starke Hände sie zur Seite geschoben.
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